Google hat mal wieder mächtig auf den Putz gehauen und den Internet-Spielkindern des Web 2.0 eine neue Spielwiese spendiert: Google+ ist in den Testbetrieb gegangen und ich bin natürlich schon dabei. Zunächst ist das Netzwerk noch in einer Phase, die “closed beta” genannt werden könnte: Um mitspielen zu dürfen, ist eine Einladung notwendig. Die können im Prinzip alle verschenken, die schon bei Google+ dabei sind, allerdings schaltet Google die Möglichkeit, sich neu zu registrieren, hin und wieder komplett ab. Entweder haben sie wirklich nicht mit dem Ansturm gedacht (was mir bei Google schon eher unglaubwürdig erscheint), es ist eine PR-Aktion oder sie müssen wirklich testen, wie die Server mit immer mehr Nutzern umgehen, denn einen Blackout kann sich Google natürlich auch im Testbetrieb nicht leisten. Leider habe ich noch keine offizielle Seite gefunden, die den aktuellen Status zu Invites angibt, von daher müssen Interessenten immer ein bisschen hoffen und möglicherweise warten, bis wieder neue Nutzer angenommen werden.

Google+ wird von denen, die schon drin sind, überwiegend positiv bewertet, teilweise sogar als Facebook-Killer gesehen. Das ist meiner Ansicht nach doch leicht übertrieben, aber es ist natürlich noch komplett offen, wie sich die Geschichte in den nächsten Wochen/Monaten/Jahren weiterentwickelt. Google+ ist nicht der erste Versuch seitens Google, ein soziales Netzwerk aufzubauen, gab es doch schon Buzz (das läuft soweit ich weiß sogar noch) und Wave. Über Wave habe ich irgendwann mal eine Google-Präsentation auf Youtube gesehen, das schien mir gar nicht so schlecht. War aber nicht als Betatester dabei und später habe ich nichts mehr davon gehört, offensichtlich ist das Projekt auch nicht gut gelaufen und wurde wieder eingestellt. Laut Wikipedia-Artikel läuft Wave weiterhin, man kann sich auch anmelden. Trotzdem steht auf wave.google.com:

Google Wave is no longer being developed as a standalone product.

Wie auch immer, hier soll es ja um Google+ gehen. Google hat also schon Erfahrungen mit sozialen Netzwerken gesammelt, die natürlich in Google+ eingeflossen sind. Das neue Netzwerk lässt sich mit beiden großen “Konkurrenten” Twitter und Facebook vergleichen: Wie bei Twitter liegt das Prinzip im asynchronen Folgen von Kontakten, eine “Freundschaftsanfrage” ist nicht nötig. In Statusmeldungen können dann wie bei Facebook auch Bilder, Videos und Links eingebunden werden. Upload der Medien erfolgt direkt ins Picasa-Album oder auf Youtube, die Infrastruktur steht ja schon in den Google-Rechenzentren bereit.

Und was ist neu an Google+?

Die Kontakte werden nicht einfach nur global gesammelt, sondern in sogenannte “Kreise” (“Circles”) einsortiert. Es ist auch möglich, einen Kontakt in zwei oder mehr dieser Gruppen zu speichern. Beim Veröffentlichen von Statusmeldungen kann für jede Meldung angegeben werden, welcher “Kreis” diese Meldung sehen darf. Dadurch soll der Datenschutz gestärkt werden, indem eben nicht jeder “Follower” alles lesen kann. Während die Begeisterung über ein Fußballspiel gerne öffentlich geteilt werden darf, kann eine Einladung zur Geburtstagsfeier zum Beispiel nur an einen kleinen Kreis gesendet werden*. Sobald ich einen Kontakt in meine Kreise hinzufüge, wird dieser darüber standardmäßig per E-Mail benachrichtigt, er erfährt allerdings nicht, in welchem meiner Kreise er gelandet ist. Dieses Facebook-Killer-Feature ist ganz nett, dafür muss ich mir natürlich beim Zurechtsammeln meiner Kontakte genau überlegen, wer in welche(n) Kreis(e) passt. Zunächst schien mir das umständlich, ist es aber im Endeffekt doch nicht. Die Zuordnung kann selbstverständlich später auch noch geändert werden. Statusmeldungen mit eingeschränktem Leserkreis sollen auch nicht außerhalb dieses Kreises weitergeteilt werden (vergleichbar mit dem Retweeten bei Twitter) dürfen. Außerdem soll es in Zukunft auch möglich sein, das Teilen von eigenen Statusmeldungen komplett unterbinden zu lassen. Neben Teilen (vergleiche auch Facebook) und Kommentaren zu Statusmeldungen können auch “+1″ vergeben werden, vergleichbar mit Favstars bei Twitter oder dem “like” bei Facebook.

Ein weiteres neues Feature von Google+ sind “Hangouts”, Videokonferenzen direkt im Browser. Dazu habe ich schon gelesen, dass sie Skype in Zukunft ablösen könnten, offensichtlich ist das also eine schöne Sache. Ich nutze solche Videosachen ja nicht (hab auch gar keine Webcam), von daher kann ich nichts dazu sagen.

Datenschutz gut, alles gut?

Christiane Schulzki-Haddouti vom ZDF-Blog Hyperland gestern provokant: “Mobiles Google+ trackt Nutzer” und spielt damit auf die Android-App an. Ein neues Google-Produkt muss natürlich auch über eine Android-App zu bedienen sein, es wird sogar schon spekuliert, ob Google+ komplett in folgende Android-Versionen implementiert werden wird. Quintessenz des Blogeintrags ist jedenfalls die Kritik daran, dass die App Zugriff auf die GPS-Funktion des Smartphones benötigt und damit den Benutzer tracken kann, um möglicherweise bessere standort- und personenbezogene Werbung zu zeigen oder so. Da wird meines Erachtens aus einer Mücke ein Elefant gemacht. Google+ bietet die Möglichkeit, Statusmeldungen mit einem Standort zu versehen. In der App ist dabei entweder die Ortung via Mobilfunk möglich oder eben der genaue GPS-Standort. GPS habe ich nicht ausprobiert, bei der “groben” Standortbestimmung werden einige mögliche Standorte in der Nähe angegeben, aus denen einer ausgewählt werden kann. Wer keinen Standort angeben möchte, muss das nicht tun, es ist nur eine Möglichkeit. Damit die App allerdings überhaupt auf die Funktion des Smartphones zugreifen kann, braucht sie eben schon bei der Installation die Berechtigung dafür, das ist ein Grundkonzept von Android. Bei der Apple-Konkurrenz wird nur nach Berechtigung zur Standortsuche gefragt, alles andere dürfen alle Apps ohne Bestätigung. Und wenn Google die Android-Nutzer tracken wollte, würden sie das wohl kaum nur über eine Google+-App tun, sondern direkt über das System. Vielleicht tun sie es ja auch schon, wer weiß. Der App solche Vorwürfe jetzt zuzurufen, nur weil sie die verbauten GPS-Funktionen nutzen KANN, ist doch deutlich übertrieben.

Fazit: Ist Google+ das neue Mega-Netzwerk?

Nein. Könnte Google+ das neue Mega-Netzwerk werden? Vielleicht. Die Einordnung in Circles ist sicher eine gute Sache, um Statusmeldungen gezielt nur einzelnen Gruppen zugänglich zu machen. “Hangouts” mag außerdem für die interessant sein, die auf solche Konferenzen stehen. Wer das nicht tut, muss es ja nicht nutzen. Im Moment ist das Netzwerk natürlich noch recht klein und technisch noch nicht ganz ausgereift, Google kündigt immer wieder neue Funktionen an und bessert andere aus, so ist das eben im Testbetrieb. So gibt es momentan noch keine öffentlich zugängliche API, sodass das Posten über andere Anwendungen als die Weboberfläche oder die Android-App noch nicht möglich sind. Es gibt da mittlerweile ein paar Hacks für Chrome-User, offiziell ist das aber alles nicht. Google hat aber angekündigt, dass die API kommen wird, ich hoffe da stark auf Unterstützung in Tweetdeck, auch wenn das jetzt zu Twitter gehört. Demnächst soll es etwas vergleichbares zu den Facebook-Pages geben und die Google-Ingenieure haben auch danach noch bestimmt gute Ideen, die in Google+ eingebaut werden können.

Google +1

+1 ist wie oben schon angesprochen die Google-Version des “Like”-Buttons und wurde schon vor einiger Zeit von Google vorgestellt. Ich fand das “damals” noch nicht wirklich spannend und habe mich nicht weiter darum gekümmert. Mittlerweile ist +1 aber in der normalen Google-Suche (zumindest auf google.com) angekommen und wird durch Google+ deutlich attraktiver. Daher habe ich mich entschieden, den Button auch in das Blog einzubinden. Es gibt (noch?) keine statische Version ohne JavaScript, Grafik und Daten werden direkt von den Google-Servern geholt. Was dabei sonst noch alles so übertragen wird, kann ich nicht sagen. Wer das nicht möchte, sollte JavaScript deaktivieren oder das Script gezielt sperren. Alle anderen dürfen sich gerne bei Google anmelden und mal drücken ;)

 

* vergleiche die Sommerloch-Diskussion zu Facebook-Partys ;)

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